Farbige Kunst in der Kommende

von Adelheid Aregger

REIDEN Eine ganze Woche lang beherbergt die Johanniterkommende, was sonst in der Gemeinde meist verborgen ist: Bilder weltbekannter Künstler, Plastiken eines ehemaligen Gemeindeammanns, Fotografien von einst und heute sowie «nostalgische» Landwirtschaftsmaschinen.
Reider Künstler im Rampenlicht: Hanspeter Wyss (links im Bild) zeigt Skulpturen des Bildhauers Paul Oetterli und des Malers Dick Ortelli.Ein wahrer Schatz: Gleich drei grosse Kunstsammlungen sind in Reiden beheimatet. In der Kommende sind sie zum ersten Mal unter einem Dach zu sehen. Fotos Adelheid AreggerEin wahrer Schatz: Gleich drei grosse Kunstsammlungen sind in Reiden beheimatet. In der Kommende sind sie zum ersten Mal unter einem Dach zu sehen. Fotos Adelheid Aregger

Das Familienquartett Wyss umrahmte die Vernissage musikalisch: Ursula Hofer-Wyss (2.v.l.) und Christina Wyss-Djoukeng mit ihren beiden Kindern Jana und Danic.Grau und regnerisch war der letzte Mittwoch. Darum war es nicht möglich, die Vernissage der Ausstellung Sammlereiden im Hof der Kommende durchzuführen, dem einzigen Ort, der derzeit nicht von den Sammlungen besetzt ist. Im Pfarreizentrum hiess das Bläser-Quartett Wyss die Gäste mit rassigen Melodien willkommen, und sowohl der Kirchgemeindepräsident Markus Husner als auch die Projektverantwortliche Isabelle Hadorn taten es mit freundlichen Worten. «Wir sind sehr stolz und dankbar, dass wir diese Ausstellung in der Kommende zeigen dürfen», sagte sie und fügte an: «Dafür haben wir drei volle Tage in die Aufbauarbeiten investiert. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das 90 Stellwände, 120 Spotlampen und 130 Bilder.» Die Konservatorin der Kunstsammlungen Robert Spreng, Egli-Arnold und Vorstandsmitglied der Stiftung Kunst im Feldheim erzählte vom grossen Einsatz vieler Leute, «die uns ihre kostbare Zeit geschenkt haben», und dankte allen, welche diese Ausstellung überhaupt erst ermöglicht hatten. Ihr Lob für die Unterstützung galt neben der Kirchgemeinde (sie übernahm das Patronat) auch den Sponsoren sowie dem Alters und Pflegezentrum Feldheim und der Gemeinde Reiden für die Logistik.

Ein reicher Kulturschatz

Gemeindepräsident Hans Kunz nahm den Dank gern entgegen, auch deshalb, «weil mir erst hier klar geworden ist, was für Schätze in Reiden lagern, Schätze, die nur wenige kennen.» Was in der Kommende gezeigt werde, sei nur die Spitze des Eisbergs, sagte er und meinte: «Müssen uns andere Gemeinden etwa beneiden?» Der Gemeindepräsident lobte vor allem die Initiative von Isabelle Hadorn und der Schul-Rektorin Sabine Beyer: «Sie haben letztes Jahr im leerstehenden Pestalozzi-Schulhaus eine Ausstellung geplant», erklärte er, «aber Corona hat diesen Plan zunichte gemacht.»

Corona die Stirne geboten

Das Projekt Sammlereiden konnte Corona dann zwar nicht verhindern, wirkte aber bei der Vernissage und beim Besuch einschränkend. Es gab beim Treffen im Pfarreizentrum kein gemeinsames Anstossen und kein Apéro-Buffet. Eine rigorose Zertifikatskontrolle beim Eingang sperrte alle Zertifikatlosen aus, auch einen nur einmal geimpften Zeitungsreporter. Getränkeflaschen auf dem Tisch und gefüllte Mutschli in Plastik waren das äussere Zeichen des organisatorischen
Gehorsams an der Vernissage. Die gute Seite: Alle Gäste durften sich in der Kommende maskenlos bewegen und austauschen. Stoff dazu gab es auf drei Stockwerken in Hülle und Fülle.

Kult(o)ur auf drei Etagen

Die Besucher machten Bekanntschaft mit Alfred Leiser, der 2014 den Verein Aecherli-Museum gegründet hatte. Foto Claudia WalderEbenerdig machten die Besucher Bekanntschaft mit Alfred Leiser, der 2014 den Verein Aecherli-Museum gegründet und aus seinem beweglichen Sammelgut landwirtschaftliche Maschinen in die Kommende transportiert hatte: Relikte aus einer Zeit, als Manneskraft beim Ziehen und Stossen noch unentbehrlich gewesen war. Historische Fotos und Filme führen das optisch vor. Aus gedruckten Dokumenten von alten Zeiten besteht der gemeinsame Museumsschatz von Hanspeter Wyss und Hermann Keist: viele schwarz-weisse Fotos, auf denen nebst unwiederbringlich zerstörten Häusern auch das Dorforiginal Hansli Blickisdorf für die Gegenwart und die Zukunft gerettet ist. Dreidimensional sind alte religiöse Kult-Figuren, die Heinrich Häfliger, Gründer und Konservator des Dorfmuseums Langnau-Mehlsecken-Reiden, gesammelt hat. Plastiken hütet auch Hanspeter Wyss in seinem kleinen Privatmuseum, geschaffen vom Bildhauer und ehemaligen Gemeindeammann Paul Oetterli. Natürlich fehlt das Relief mit dem Riesen von Reiden nicht, der sich später als Mammut geoutet hat. Bilder von Dick Ortelli, dem Reider Maler aus Italien, der hier sein Lebensglück gefunden hat, ergänzen im Johannitersaal das vielseitige Porträt des Johanniterdorfes. Was in der Kornschütte zu sehen ist, sprengt die Grenzen der Gemeinde, wenn auch bei allen Künstlern oder Sammlern ein Bezug zu Reiden besteht: Gottlieb Soland verbrachte viele seiner letzten Lebensjahre in Reiden, Robert Spreng, Bürger von Reiden, vererbte sein Gesamtwerk seiner Heimatgemeinde, und Margrit Egli-Arnolds Heimatort ist Reiden. Ein gewaltiger Bilderschatz als Querschnitt aus dem 20. und 21. Jahrhundert lockt zum Betrachten und Sich-Hineinfühlen in eine vergangene Welt der Bilder.

Einblick in vergangene Zeiten: Mitunter wird dem Dorforiginal Hansli Blickisdorf die Ehre erwiesen. Die Kirchgemeinde stellte nicht nur die Kommende gratis zur Verfügung, sondern gab an ihrem Stand auch Vereinen Platz, um sich zu präsentieren. Fotos Adelheid Aregger

Öffnungszeiten:

Freitag 17. September 17 bis 20 Uhr
Samstag 18. September 14 bis 17 Uhr
Sonntag 19. September 11 bis 14 Uhr
Mittwoch 22. September 18 bis 21 Uhr